DANIEL SPOERRI • Leben & Werk
1960 unterzeichnete Daniel Spoerri als Mitbegründer das Manifest des »Nouveaux Réalisme« in
Paris, nachdem er zuvor als Tänzer und Regisseur tätig war. Als bildende Künstler wurde er vor
allem durch seine »Fallenbilder« (»Tableaux pièges«) weltbekannt. Das sind auf Tischplatten fixierte
Überreste einer Mahlzeit oder einer anderen zufällig vorgefundenen Situation (Arbeitstisch oder
Flohmarktstand). Eingefangen wird damit ein Stück Alltagswirklichkeit wie in einer Falle. Spoerri
ist aber nicht nur der Erfinder des »Fallenbildes«. Die damit verbundenen und daran anknüpfenden Ideen gehen weit über ein bildnerisches Prinzip hinaus. Schon früh entstand die »Topographie
des Zufalls«, gewissermaßen das literarische Pendant zu der Terrainsuche mittels Alltagsgegenständen. Er machte dann nicht nur mit seinen Bildern von sich reden, sondern durch unterschiedlichste Aktionen und Projekte. Als Professor und Lehrender realisierte er diverse Ausstellungen
und Bankette. Mit dem »Restaurant Spoerri« und der dazu gehörigen »Eat Art Galerie«, die er
1968 in Düsseldorf eröffnete, wurde der Künstler zum Begründer der Eat Art. Eat Art, das ist für
Daniel Spoerri das Essen und Kochen als Teil des Lebenszyklus. Seine Kunst umfasst Objektkunst
und Prozess-Kunst, denn der aufgeklebte Moment ist nur ein Aspekt eines Gesamtzyklus, zu dem
Leben und Tod, Verwesung und Wiedergeburt gehören. Zentrale Themen in Spoerris Werk sind
der Geschmackssinn des Menschen und das Hinterfragen von Essgewohnheiten. Die Verfremdung
von Speisen stellt überlieferte Sinneswahrnehmungen und Traditionen in Frage oder irritiert sie
zumindest. Dies sind auch wichtige Elemente bei Spoerris Eat Art Banketten.
Seit Daniel Spoerri 1997 in der Toskana den Künstlergarten »Il Giardino di Daniel Spoerri«
(www.danielspoerri.org) eröffnete, setzte er seine Assemblagen immer häufiger auch in Bronze
um. Es ist ein besonderes Merkmal von Spoerris Arbeitsweise, dass er in dem italienischen Skulpturenpark nicht nur eigene Arbeiten aufgestellt hat, sondern auch Werke befreundeter Künstlerinnen und Künstler. Die etwa 100 Installationen von rund 40 Künstlern können auf dem 14 ha
großen Gelände von Ostern bis Oktober erwandert werden. Der »Giardino« kann sich erfreulicher Besucherzahlen und vieler begeisterter Rückmeldungen rühmen.
Als »Prillwitzer Idole« bezeichnet Daniel Spoerri eine Reihe großer Bronzefiguren, die seit 2005
entstehen. Animiert wurde er dazu durch eine Reise auf den Spuren der »gottesdienstlichen Altertümer der Obothriten«. Spoerris »Prillwitzer« sind so genannte Originale in Serie. Alle Bronzen
einer Serie unterscheiden sich im Detail voneinander, weil der Künstler die Gusskanäle in die
Komposition mit einbezieht und dies bei jedem Guss auf andere Weise. Im Rahmen der Arbeit
mit den »Prillwitzer Idolen« entstanden auch kleine Collagen auf Reproduktionen von Stichen aus
dem 18. Jahrhundert, die J. Krüger nach vermeintlichen obothritischen Heiligenfigürchen anfertigte.
Daniel Spoerri reagiert auf die Grafiken mit kleinen Objekten und interpretiert sie auf seine Weise.
Die »Eat-Art« ist ein wichtiges Element in Daniel Spoerris Arbeit. Dies schlägt sich nicht nur in
seinen Restaurant-Gründungen (das »Restaurant Spoerri« in Düsseldorf ist bereits Geschichte)
und spitzfindigen Bankett-Ideen nieder. Im Rahmen der Beschäftigung mit der Ernährung, dem
Essbaren und seiner Zubereitung entstand eine Serie von »Brotteigobjekten«. Brotteig wird mit
diversen Objekten im Ofen gebacken und quillt aus Bügeleisen, Traktorsitzen, Schreibmaschinen.
Seit 2007 hat Daniel Spoerri Wien wiederentdeckt, wo er in den 1980er Jahren eine Gastprofessur
innehatte. 2008 brachte er zwei Liegenschaften in Hadersdorf am Kamp, in Niederösterreich bei
Krems an der Donau, in eine gemeinnützige Stiftung ein, die unter dem Namen Eat Art & Ab Art
als Esslokal, Ereignis- und Ausstellungsort genutzt werden.
Komplette BIOGRAFIE Daniel Spoerri | PDF: DOWNLOAD
und aktuelle AUSSTELLUNGEN: www.danielspoerri.org

Daniel Spoerri mit dem Fallenbild »Labaktisch«, Februar 2011

Daniel Spoerri, »Marstaucher«, Bronze, 2006

Daniel Spoerri, »Brotteigobjekt Schreibmaschine«, 1970